Abschiedsschmerz

GRIECHENLAND III 08.12.2016

Erst merken wir gar nicht, dass wir hier schon einmal waren.

In einer einsamen Bucht unweit der Grenze, schlagen wir unser Lager auf. Eine Quelle ist vor Ort und auch ein Spielkamerad für Cosmo gesellt sich zu uns. Es ist ein großer langbeiniger Rüde mit caramelbraunem Fell, Schlappohren und schwarzen treu schauenden Augen. Sehr unsicher knurrt er erst und fletscht zaghaft die Zähne, doch schnell sind wir Freunde und ich sofort verliebt. Cosmo zeigt ihm sofort, wer hier der Boss ist.
Der Wäsche-Sack ist voll, also gehe ich trotz der frischen Temperaturen an die Arbeit. Bei 5 Grad wird das Aufhängen zur Zitterpartie. Zum Glück funktioniert die Standheizung, es hat im Bus gemütliche 18 °C.
Das hat auch Cosmos neuer Freund, wir haben ihn Pedro getauft, auch gemerkt und will direkt mit einsteigen. Schon etwas traurig schaue ich aus dem Fenster und sehe Pedro klein zusammen gerollt vor dem Bus liegen.

Im Sonnenschein gehen die Hausarbeiten schnell von der Hand. Wäsche abhängen und aufräumen, Bus putzen und die georgischen Quitten werden zu Gelee verarbeitet. Auch Pedro taucht zu meiner Freude wieder auf. Auch Robert kann nicht mehr leugnen, dass er ihn sehr süß findet.
Endlose Diskussionen, ob wir ihn nicht mitnehmen können, beginnen. Auch in unserer WhatsApp-Gruppe können, vor allem die Frauen, den Knopfaugen nicht widerstehen.

Als Pedro am Morgen nicht mehr da ist, bin ich traurig. Wir tanken Wasser und fahren wie geplant weiter. Immer wieder schaue ich mich nach ihm um, gerne hätte ich mich wenigstens verabschiedet.
Die gewählte Straße entpuppt sich als Sackgasse, wir müssen wieder zurück.
Doch Glück im Unglück. Zurück auf der geteerten Straße Richtung Autobahn, hoffe ich immer noch, Pedro nochmal zu sehen.
Und tatsächlich, können uns von unserem griechischen Freund noch verabschieden. Ganz glücklich rennt er mit zwei anderen durch eine Wiese. Als wir anhalten kommt er sofort zu uns und freut sich! Letzte Leckerlies und Streicheleinheiten werden verteilt, dann Trennen sich unsere Wege.
Beim Einkaufen im Lidl vergessen ich kurz den Abschiedsschmerz.
Ein neuer Schlafplatz ist recht schnell gefunden. Wir haben dazu gelernt und sind weder im Matsch noch im Sand stecken geblieben, auch wenn es knapp war.

Da die Sonnenstrahlen von Tag zu Tag an Intensität verlieren, brauchen wir eine andere Wärmequelle. Da kommen uns die heißen Quellen von Eleftheres ganz recht.
Angekommen am Ziel, staunen wir nicht schlecht. Eine zerfallene leer stehende Kuranlage haben wir nicht erwartet. Alles liegt in Trümmern, die Fenster sind eingeschlagen, die Müllberge türmen sich.
Hier und da versteckt, die alten naturbelassenen Becken mit klarem heißem Wasser.

Peter, ein junger Hamburger, hat sich hier ein paar Tage einquartiert. Auch andere Hausbesetzer nutzen die kostenlose "Wellness-Landschaft".

Nach dem Frühstück wollen wir zur Grenze, doch es kommt mal wieder anders als gedacht. Ein Hinweisschild "Hot Spring" erregt unsere Aufmerksamkeit.
Gegen einen kleinen Umweg ist nichts einzuwenden und wir landen wir beim Wellnesscenter in Sidirokastro. Die Geschlechter sind zu bestimmten Uhrzeiten im Hammam getrennt. Zusätzlich werden private Kabinen mit Whirlpool vermietet, da können wir nicht anders.
Nach dem späten Mittagessen und einer Runde mit Cosmo, sind wir froh über das heiße Wasser. Draußen bläst der Wind eisig kalt und zu stark.
Müde fallen wir gegen halb neun ins Bett. Seit Tagen schlafen wir unten, da es dort am Morgen mollig warm und gemütlich ist. Auch Cosmo, die kleine Frostbeule, muss in der Nacht nicht so frieren.

Auf dem Heimweg befinden wir uns nun schon seit Indien, doch von Tag zu Tag kommen wir der Heimat auch gedanklich ein Stück näher. Der Termin Weihnachten liegt vor der Tür und auch Roberts Rückkehr zu seinem Arbeitgeber im neuen Jahr.
"Alltag, Termine, Müssen, Stress und Hektik" sind Begriffe, die sehr oft fallen, wenn wir über unsere "Wiedereingliederung" philosophieren. Die Vorfreude auf Familie und Freunde ist riesig, auch auf mehr Raum, ein Sofa und endlos heißes Wasser freue ich mich.
Doch ein Gefühl der Traurigkeit und des Unbehagens bleibt. Was erwartet uns? Der Reisealltag mit all seinem Für und Wider ist mir eigentlich noch nicht genug. Lieb gewonnene Reisefreunde, Sonnenauf- und Untergänge, sogar die brütende Hitze, das Meer, in den Tag hinein Leben, draußen Kochen, Feuer machen, wuselige Märkte, exotische Früchte und jeden Tag neue Eindrücke werden mir sehr fehlen. Sogar Wäsche waschen am Fluss.
Mit diesem Gefühlschaos fahren wir Bulgarien entgegen.

 

ÜN 357 & 358, Strand bei Sapes
Spielkamerad
Hallo, ich bin Pedro.
Begrüßung am Morgen
Hausarbeit
Sonne weg, Kälte kommt
die Kälte ist Sichtbar
lecker Pfannkuchen
Quittengelee
Auf Wiedersehen!
im Morgengrauen
Schattenspiel
wer sucht, der findet
und wird belohnt
ÜN 359 & 360, nahe Keramoti
in der Taverne
viele Leckereien
zum Klettern leider zu kalt
zerfallene Kuranlage von Eleftheres
Natur-Badewanne
ÜN 362, Wellnesscenter Sidirokastro
 
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